Dokus 2024

BALDIGA - ENTSICHERTES HERZ

Markus Stein, Deutschland 2024, 92 min, Deutsche Originalfassung

Samstag, 26. Oktober 2024, 17:30 Uhr

Der deutsche Dokumentarfilm BALDIGA – ENTSICHERTES HERZ zeichnet das kurze, wilde, intensive Leben von Jürgen Baldiga nach: Fotograf, Künstler, AIDS-Aktivist. Jürgen Baldiga stammt aus einer Bergarbeiterfamilie im Ruhrgebiet und zieht als junger Mann 1979 nach Berlin, wo er sich als Koch, Barkeeper und Stricher durchschlägt. Schnell entdeckt er die Kunst für sich, erst die Poesie, dann die Fotografie. 

Baldigas Werk ist radikal, rau, zärtlich, authentisch. Zu seinen Lieblingsmotiven zählen seine Lover und Familie, die Tunten aus dem Schwulenzentrum SchwuZ, aber auch Drogensüchtige und Obdachlose. Als er sich mit HIV infiziert und schließlich an AIDS erkrankt, beginnt sein persönlicher Kampf ums Überleben und gegen die Stigmatisierung schwuler Lebensentwürfe.


Regisseur Markus Stein hatte Zugang zum kompletten Nachlass von Baldiga mit sämtlichen Fotografien und 40 unveröffentlichten Tagebüchern. Der facettenreiche Film verbindet das Porträt eines vielseitigen Künstlers mit tiefen Einblicken in die vibrierende schwule Szene West-Berlins in den 1980er Jahren und der aufrüttelnden Darstellung der aufkommenden HIV/AIDS-Epidemie. Ein absolutes Doku-Highlight!

Anwesend: Ichgola Androgyn (Bernd Bossmann), Protagonist*in des Films

Präsentiert von:  Queerfilmfestival Esslingen

DALTON'S DREAM

Kim Longinotto, Franky Murray Brown, Vereinigtes Königreich / USA 2023, 90 min, Englische Originalfassung

Montag, 28. Oktober 2024, 22:00 Uhr

In ihrer spannenden und mitreißenden Dokumentation erzählen uns die Filmschaffenden die bewegende Biographie des jamaikanischen Sängers Dalton Harris. Aufgewachsen in äußerst schwierigen Verhältnissen, war er physischer und psychischer Misshandlung ausgesetzt und lebte bereits mit 15 Jahren unabhängig von der Familie. Er besuchte das Kingston College und konzentrierte sich auf seine Musikkarriere. Seinen ersten großen Erfolg verzeichnete Dalton bereits 2010 beim jamaikanischen Musikwettbewerb Digicel Rising Stars als jüngster Gewinner in der Geschichte der Show. Es folgen sehr produktive Jahre, in denen er zahlreiche Titel veröffentlicht. Sein Erfolg in der britischen Castingshow The X-Factor machte ihn weit über die Grenzen bekannt und führte dazu, dass die Staffel auch von jamaikanischen TV-Sendern ausgestrahlt wird.

Dalton’s Dream ist ein beeindruckender Coming-of-Age Film über einen jungen, äußerst talentierten und charismatischen Mann. Den täglichen Widerständen und Anfeindungen, u. a. wegen seiner sexuellen Orientierung, begegnet er mit enormer Resilienz. An seinen Zielen hält er unbeirrbar fest und ist damit nicht nur für seine Fangemeinde eine Quelle der Inspiration.

Ein großartiger Film über einen sehr außergewöhnlichen Musiker!

Präsentiert von:  EastCoffee

DESIRE LINES

Jules Rosskam, USA 2024, 83 min Englisch mit deutschen Untertiteln

Dienstag, 29. Oktober 2024, 22:00 Uhr

DESIRE LINES ist ein ganz besonderer Film – nicht nur inhaltlich, sondern auch in Hinblick auf das Genre. Zwischen Dokumentation und erotischer Erzählung stehend, setzt er sich mit dem Thema der schwulen Transmaskulinität auseinander und begleitet den Protagonisten Ahmad auf seiner Zeitreise durch queere Geschichte sowie auf seiner sinnlichen Entdeckungsreise zu sich selbst.

Die poetische Erzählung wird immer wieder ergänzt durch dokumentierende Beiträge aus einem Archiv für LGBTIQ*-Geschichte, und der recherchierende Protagonist taucht immer weiter in die Lebenswelt von F2M-Aktivist Lou Sullivan in den 1980er-Jahren ein. Dabei wird Ahmad zunehmend in die Handlung hineingezogen, die immer stärker um fiktionale Handlungselemente ergänzt wird.

 

„Desire Lines wendet sich gegen das Prinzip der Binarität als solches – Fiktion versus Non-Fiktion, Realität versus Fantasie, Öffentlichkeit versus Privatheit“, beschreibt Regisseur Jules Rosskam sein ungewöhnliches Werk. „Die Mitwirkenden müssen sich mit Gender-(Non-)Konformität, Fetischisierung, Transphobie, sexuellem Rassismus und Safer Sex auseinandersetzen.“

DESIRE LINES gewann beim Sundance Festival den Spezialpreis der Jury in der Kategorie NEXT.

Präsentiert von:  Vulkansauna

IF I DIE, IT'LL BE OF JOY

Alexis Taillant, Frankreich 2024, 80 min Französisch mit deutschen UT

Sonntag, 27. Oktober 2024, 22:00 Uhr

Micheline, 81, träumt von Orgasmen und erzählt allen davon. Yves, 68, fühlt sich wie eine Muschel auf dem Boden des sturmgepeitschten Meeres. Francis ist ein in die Jahre gekommener Aktivist, der sich nun mit vermeintlichen Tabus im Alter auseinandersetzt. Alle drei sehen sich in ihrem Alltag mit der Notwendigkeit konfrontiert, die Begriffe Sex, Liebe und Alter neu zu definieren.


Bereits mit 43 Jahren – also vergleichsweise früh – erkennt Regisseur Alexis Taillant, dass das Thema Unsichtbarkeit im Alter die Mitglieder der queeren Community in ganz besonderem und in ganz besonders starkem Maße betrifft. Wie die Protagonist*innen seines beeindruckenden Dokumentarfilms führt ihn diese Erkenntnis zur Bewegung „Greypride“, eine Pariser Organisation, die für die Sichtbarkeit und Akzeptanz von älteren Queers kämpft.


Es geht um Würde. Es geht darum, ältere Menschen nicht länger zu marginalisieren oder gar zu infantilisieren. Es geht darum, sich klar zu machen, das alle – wir alle! – eines Tages in einen Lebensabschnitt eintreten, in dem wir uns zwar mit der Vergänglichkeit konfrontiert sehen, jedoch keineswegs mit dem Verlust von Liebe und Begehren.

Präsentiert von:  Beauftragte für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt

LABOR

Tove Pils, Schweden 2023, 95 min Schwedisch / Englisch mit deutschen Untertiteln

Freitag, 25. Oktober 2024, 22:00 Uhr

Eine Stimme mit leichtem Akzent begleitet die Zuschauer*innen den ganzen Film über. Sie gehört zu Hannah, die anonym bleiben möchte und die wir deshalb nie zu sehen bekommen. Sie hat Schweden und ihre Beziehung zu Emma hinter sich gelassen, um in ihrer Traumstadt San Francisco ein völlig anderes, sexuell befreites Leben als Sexarbeiterin zu führen.


Die Regisseurin Tove Pils hat über 10 Jahre an dieser eindrucksvollen Dokumentation über Hannahs neues Leben gearbeitet. Sie zeigt gleichzeitig das Leben ihrer gleichgesinnten neuen Freund*innen Cloe und Cyd, die als Escort und Domina ihren Unterhalt verdienen. Mit körnigen Bildern, Nahaufnahmen, die nur erahnen lassen, was man gerade sieht, und Handkamera-Shoots befinden wir uns irgendwann mittendrin in dieser so anderen Welt.


Hannahs Offenheit, ihre intimen Gedanken, die Beschreibungen ihrer Erlebnisse mit Kund*innen, aber auch die von ihr ausgedrückten Zweifel und Hoffnungen klingen noch lange nach dem Kinobesuch nach.


Warnhinweis: Sexuell explizite Sprache und Bilder

LESVIA

Tzeli Hadjidimitriou, Griechenland 2023, 77 min, Griechisch / Englisch mit deutschen Untertiteln

Freitag, 01. November 2024, 18:00 Uhr

Sonne, Strand und Gemeinschaft – mit diesem Dokumentarfilm gewinnt die Filmemacherin Tzeli Hadjidimitriou 2024 den QueerScope-Debütfilmpreis!

Die griechische Insel Lesbos (griech.: Lesvia) kennen heutzutage viele aus den Schlagzeilen über das Flüchtlingslager „Moria“. Doch schon in den 70er Jahren galt die Insel als Mekka für Lesben. Die antike griechische Dichterin Sappho lebte einst auf Lesbos und schrieb als Erste über die Liebe zwischen Frauen. Sie inspirierte lesbische Frauen, auf ihren Spuren zu wandeln.


Auch die Filmemacherin ist lesbisch und verbringt die Hälfte des Jahres auf ihrer Heimatinsel Lesbos. Mit LESVIA schafft Tzeli ein Zeitzeugnis, denn „diese Geschichten und Lebensformen drohen zu verschwinden und für immer vergessen zu werden“. Sie dokumentiert eine Gemeinschaft, in der lesbische Frauen sich aufgehoben und akzeptiert fühlen und sich entfalten können. Archiviertes Film- und Fotomaterial wird mit aktuellen Filmepisoden, Worten von Zeitzeug*innen und Auszügen aus Hadjidimitrious Tagebuch verwoben.


Portraitiert werden gewöhnliche Frauen und die Spannungen zwischen den Einheimischen und ihnen. Zunächst campten die Frauen auf dem Strand, in den 90ern mieteten sie Wohnungen, eröffneten Frauenhotels und -restaurants. Bis heute lebt eine kleine, feste Gemeinschaft lesbischer Frauen auf der Insel. LESVIA gewährt uns Einblicke in ausgelassen und frei gelebte lesbische Liebe.

Gewinner des QueerScopeDebütfilmpreis 2024

QUEENDOM

Agniia Galdanova, Frankreich / USA 2023, 98 min, Russisch / Englisch mit deutschen Untertiteln

Samstag, 26. Oktober 2024, 15:30 Uhr

Eines der beeindruckendsten queeren Filmporträts der letzten Jahre! Einfühlsam, respektvoll und mit ungeheurem Mut aller Beteiligter zeichnen Regisseurin Agnija Galdanowa und Kameramann Ruslan Fedotow ein Porträt von Performancekünstler*in Gena Marvin. Gena stammt aus der Kleinstadt Magadan an der Ostküste Sibiriens. Als queere, non-binäre Person erlebt Gena dort Ablehnung und Gewalt und zieht schließlich zum Studium nach Sankt Petersburg und Moskau.


Dort entfaltet Gena ein ungeheures Potential an künstlerischer Kreativität. Mit spektakulären Kostümen und Performances zeigt sich Gena auf den Straßen der beiden Metropolen, in steter Gefahr für sich selbst, Regisseurin und Kameramann. Genas Aktionen sind jedoch in keiner Weise Art-pour-l’Art oder Selbstdarstellung, vielmehr sollen sie auf die brandgefährliche Situation queerer Menschen in Russland aufmerksam machen.


Die Unterstützung von Protesten für die Freilassung Alexej Nawalnys kostet Gena schließlich den Studienplatz, der Protest gegen den russischen Überfall auf die Ukraine und die Verweigerung des Militärdienstes bringt Gena vor Gericht. 2022 gelingt es der beeindruckenden Persönlichkeit, Russland zu verlassen.

Präsentiert von:  Bildungsverein

SUMMER QAMP

Jen Markowitz, Kanada 2023, 80 min, Englisch mit deutschen Untertiteln

Donnerstag, 31. Oktober 2024, 18:00 Uhr

Ein Haufen queerer Jugendlicher und junger Erwachsener zwischen 14 und 24 in den kanadischen Wäldern – Camp fYrefly ist ein Sommercamp, das Vernetzung, Austausch, Vertrauensbildung, Skillsharing, Selbstbewusstsein und Identitätsfindung unterstützen will. Und auch Abschalten, Spaß und Flirten sollen nicht zu kurz kommen! Ein Ort, an dem man sich nicht erklären oder dafür entschuldigen muss, man selbst zu sein.

Ein engagiertes Team möchte den Teilnehmenden etwas anbieten, was sie sich in ihrer Jugend selbst gewünscht hätten – vom Drag-Workshop bis zum Austausch über Transition oder intersektionale Diskriminierung. Und „Veteran*innen“ erzählen als geladene Camp-Gäste von den queeren Kämpfen, die vor zwei Generationen geführt wurden.


Supersweet, ehrlich, witzig, persönlich, zu Tränen rührend und Mut machend – ein absolutes Highlight und nicht zuletzt dank der jungen Protagonist*innen ein wirklicher bewegender Film, der beim Calgary International Film Festival den Publikumspreis gewonnen hat.

„Der Film deckt ein so breites Themenfeld von Unterhaltungen ab: Alles vom Coming-Out gegenüber den Eltern, über die Überwindung selbstverletzenden Verhaltens bis zur Frage, wie ein Alien, das durch ein Teleskop sieht, die Erde verstehen würde“, schreibt Bill Van Esveld von Human Rights Watch.

Präsentiert von:  QueerUnity

TEACHES OF PEACHES

Philipp Fussenegger, Judy Landkammer, Deutschland 2024, 102 min, Englisch / Deutsch mit deutschen Untertiteln

Mittwoch, 30. Oktober 2024, 20:00 Uhr

Lasst euch mitreißen von TEACHES OF PEACHES! Der vermutlich unterhaltsamste Dokumentarfilm bei den PERLEN 2024 bringt Partystimmung ins KoKi.

 

Peaches ist eine Legende. Sie ist Rocksängerin, queerfeministische Aktivistin, Performancekünstlerin und Kämpferin gegen Genderstereotype und Patriarchat. In Toronto in einer konservativen jüdischen Familie aufgewachsen, entdeckte Merrill Beth Nisker früh die Musik für sich. Sie unterrichtete in Kindergärten, gründete nach einer überstandenen Krebserkrankung die Rockband „The Shit“ und entwickelte ihre Bühnenpersönlichkeit Peaches.

Als sich ihr Song „Fuck the Pain Away!” weltweit zu einem Hit entwickelt, zieht Peaches nach Berlin und startet eine Bühnenkarriere, die inzwischen über 20 Jahre erfolgreich anhält. Mit ihren ausgefallenen, provokativen Texten, Auftritten und Outfits sendet Peaches eine starke Botschaft für queeren, intersektionalen und sexpositiven Feminismus.

 

TEACHES OF PEACHES feierte seine Weltpremiere auf der Berlinale 2024 und wurde dort mit dem Teddy Award für den besten Dokumentar-/Essayfilm ausgezeichnet. Dem Regie-Duo Philipp Fussenegger und Judy Landkammer ist eine fesselnde und empowernde Mischung aus Filmbiographie und Konzertfilm gelungen.

Mit unveröffentlichtem Material aus Peaches’ Privatarchiv, Interviews mit Weggefährt*innen und Bandmitgliedern sowie Liveaufnahmen ihrer „Teaches of Peaches Anniversary Tour 2022“ entstand eine filmische Hommage an eine einzigartige Künstlerin und Persönlichkeit.

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